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Behandlungsmisserfolg, Behandlungsfehler: Wie verarbeiten, wie helfen?

Zusammenfassung von Aussagen, Zitaten und Medienveröffentlichungen,
die Herr Dr. med. Herbert Kappauf auf der Veranstaltung der
Notgemeinschaft Medizingeschädigter in Bayern -Patient im Mittelpunkt- e.V.
zu obigem Thema vorgetragen hat.

Medizin ist eine Wissenschaft der Wahrscheinlichkeit und eine Kunst der Unsicherheit.
Sir William Osler

Bei ärztlicher Tätigkeit kommen, wie bei jeder Tätigkeit, Fehler und Schädigungen vor.

Iatrogene Schäden bei 3,7% der stationären Behandlungen, davon 25 % fehlerbedingt.
Harvard Medical Practice Study  (NEJM 1991), Krankenblattanalysen

Patienten haben kein Recht auf richtige Diagnosen.
Arzt erkennt Verletzung erst elf Monate nach einem Unfall – Klage abgewiesen.
Patienten haben zwar Anspruch darauf, dass ihr Arzt sie fachgerecht diagnostiziert, nicht jedoch auf eine zutreffende Diagnose. So fein präzisiert haben unlängst Richter des Oberlandesgerichts Frankfurt/ M. entschieden. ...
Ärztliche Praxis 12.03.2004

Vor deutschen Gerichten  (nach Scätzungen),jährlich 3000 – 10 000 Arzthaftungs-Verfahren
2000: Deutsche Gutachter- und Schlichtungsstellen: 9666 Anträge, 6372 Verfahren abgeschlossen 
         Gesundheitsschaden
         Fehlervorwurf
         Fehlerbestätigung
         Zusammenhang zwischen Fehler und Gesundheitsschaden
Arztfehler:
Verstoss gegen anerkannte Regeln der Heilkunde, orientiert am fachlichen Standard zur Zeit der Behandlung, an Fachgebiet und Position des Arztes. 

903 Schlichtungsverfahren in der Inneren Medizin, Schuldhafte Fehler in 40 % festgestellt
Diagnostik (nicht invasiv)
Nachsorge, Kompliksationsmanagement
Ärztliche Disposition
Indikation
Organisation
Diagnostischer Eingriff
Pharmakotheraspie
Therapie, Krankenpflege
Dokumentation
Kommunikation , Beratung
Aufklärung
sonstige
Störk et  al. DMW 2002

In 15 % der Verfahren kritisierten die Patienten die kommunikative Kompetenz des Arztes

Inkongruenz von Krankheit und Krankheitsgefühl
Krankheitsdiagnose ohne Krankheitsgefühl          „Ich fühle mich doch gesund!“
Erleben von Therapie als Krankheit                     „Behandlung hat mich erst krank gemacht!“
Therapieerfolg mit Krankheitsgefühl                     „Ich bin geheilt, fühle mich aber krank!“ 

... „Lebt der Mensch aber in Harmonie mit sich selbst und der Natur, hat der Krebs kaum eine Chance.“
Fernsehwoche 1995 (32)

Immanente Ambivalenz im Patientenerleben: Onkologen sind     „Retter“ und „Täter“ 

Bei Kommunikation ist nicht  die Mitteilung entscheidend, die beabsichtigt war, sondern die Information, die angekommen ist.

17 von 27 Lebensqualitätsmerk-malen waren bis 4 Jahre nach der Diagnose bei den Krebspatienten noch signifikant schlechter, die das Gespräch mit dem Arzt unbefriedigend erlebt hatten.
Kerr et al. Ann Oncol 2003;14: 421-427

Assoziation zwischen schlechter Behandlungserfahrung (Arzt-Patient-Beziehung,  Kommunikation) und erschwerter Krankheitsbewältigung (vermehrte Angst, Depressivität und problematischere Coping-Muster)
Alder J, Bitzer J.  Arch Women Mental Health 2003;6:91-7

Information muß verläßlich sein!

Bei Inkongruenz von verbaler Mitteilung und Körpersprache wird die nonverbale Information ernstgenommen.

Elemente bei der Kommunikation „schlechter Nachrichten“, die signifikant prädiktiv für die Patientenzufriedenheit waren:
         Das Gespräch fand an einem angenehmen Ort statt
         Der Arzt sorgte dafür, dass keine Unterbrechungen stattfanden
         Der Arzt saß nahe bei mir
         Der Arzt bereitete mich in Worten darauf vor, dass  schlechte Nachrichten kommen würden
         Der Arzt versuchte mitzufühlen, was ich empfand
Ptacek & Ptacek. J Clin Oncol 2001;19:160-164.

         Ärzte mit guter Kommunikationskompetenz identifizieren Patientenprobleme genauer
         Sie sind beruflich zufriedener und weniger gestresst
         Ihre Patienten sind zufriedener und haben eine bessere Krankheitsbewältigung
         Es gibt effektive Methoden zum Erlernen kommunikativer Kompetenz
         Direktes Üben und konstruktives Feedback sind dabei entscheidend
Maguire & Pitceathly, BMJ 2002

Wir benötigen in der Medizin eine angstfreie Kultur der Qualitätssicherung
Fehlerreduktion
Fehlervermeidung
Fehleranalyse
Fehlerkommunikation
Fehlermanagement

Herr Dr. Herbert Kappauf betreibt eine Internistische Schwerpunktpraxis für
Onkologie - Hämatologie – Psychoonkologie im Medi Center Starnberg

Die Veranstaltung fand am 20. März 2004 im Klinikum Starnberg,
Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität München
Oßwaldstr.1, in 82319 Starnberg statt.